Am Sterbebett meiner Oma

    Nach einer schweren Krankheit kam meine Oma in ein Altersheim. Ich hatte nicht mehr wirklich viel Kontakt zu ihr. Sie erkannte mich nicht mehr, war aggressiv und apathisch zugleich. Körperlich hatte sie sich aber soweit erholt, und ihr Zustand war für 84 recht stabil. Eines Tages wurde sie vom Altersheim ins Krankenhaus gebracht. Dort stellte man Nierensteine fest, und nach deren Entfernung hatte sie sich auch recht schnell erholt. Sie sollte noch einige Tage zur Beobachtung bleiben, aber das sei keine ernste Sache, versicherten die Ärzte meiner Mutter. Sie könne ruhig in Urlaub fahren, die Oma sei über den Berg. Ja, so fuhren sie dann also auch. Sie wollte den Ärzten und Schwestern noch meine Nummer geben und ich sollte die Besuche übernehmen. Ich ging dann alle zwei Tage ins Krankenhaus.

    Bei so einem Besuch fühlte ich mich gedrängt, bei den Schwestern nochmal nachzufragen, ob sie denn die Telefonnummer von mir aufgeschrieben hätte. Und zu meinem Erstaunen hatten sie das nicht. Aber das war ja auch nicht weiter tragisch gewesen. Nun wurde es geändert. Am nächsten Abend klingelte gegen 22 Uhr mein Telefon. Da meine Eltern öfters um diese Zeit anriefen, dachte ich mir nichts weiter dabei. Doch es war das Krankenhaus. Ein Arzt meinte, dass es meiner Oma nicht so gut ginge, ich vorbeikommen könne, aber keine akute Gefahr bestünde. Ich war hundemüde und überlegte hin und her. Ich entschloss mich dann, am nächsten Morgen ins Krankenhaus zu fahren, jetzt aber erstmal einen ruhigen Abend zu verbringen und früh ins Bett zu gehen.

    Aber keine fünf Minuten später änderte ich meine Entscheidung. Wieder fühlte ich mich gedrängt, unbedingt ins Krankenhaus zu fahren. Als ich dort ankam, wurde meiner Oma bereits Sauerstoff verabreicht. Die Schwester sagte mir deutlich, dass meine Oma in dieser Nacht noch sterben würde. Ich versuchte dann aus dem Krankenhaus meine Eltern zu erreichen, die dann auch unter unglaublichen Umständen ein Taxi fanden, das meine Mutter die 200 km nachts um 12 Uhr ins Krankenhaus fahren würde.

    Während ich auf meine Mutter wartete, las ich meiner Oma Johannes 3 vor. Ich erklärte ihr das Evangelium auf dem Sterbebett, was ich vorher aufgrund ihres Zustands nicht mehr für möglich gehalten hatte. Beim 16. Vers stöhnte meine Oma laut auf und ihre Augen waren wach. Gegen 2.30 Uhr kam meine Mutter und durfte sich noch verabschieden, bis meine Oma dann gegen 3 Uhr starb.

    S.

    (Johannes 3 Vers 16: "Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.")