Der Brief

    Nachdem ich an einem Donnerstagnachmittag operiert worden war, wartete ich auf den histologischen Befund aus dem externen Labor. "Am Samstag könnte es eventuell schon kommen", war die Aussage des Pflegepersonals. Mit einigen Mitpatienten war ich ins Gespräch gekommen und bekam mit, dass sie alle schon am Sonntag nach Hause dürften, weil ihre Befunde alle da seien (sie waren alle bis Donnerstag Mittag operiert worden). "Dann kann es ja auch bei mir nicht mehr lange dauern", dachte ich mir. Aber kein Doktor kam, um mir Bescheid zu geben. Ich fand mich damit ab, dass ich halt dann am Montag Mittag meinen Befund bekommen würde. Die Schwestern und Ärzte meinten, er müsse irgendwann zwischen 12 und 16 Uhr da sein. Immer wieder ging ich zum Schwesternzimmer um zu sehen, ob denn schon was gekommen sei. Es wurde 17 Uhr, kein Befund.

    Langsam wurde ich nervös. Jedes Mal, wenn ein Arzt oder eine Schwester das Zimmer betrat, machte ich bezüglich meines Befundes eine Andeutung. Der diensthabende Arzt war so nett und versprach mir, extra nochmal nachzusehen, obwohl es mittlerweile 19.30 Uhr war. Irgendwie war es die Unsicherheit die mich dazu trieb, unbedingt das Ergebnis wissen zu wollen. Auf der anderen Seite wusste ich natürlich, dass es einen Grund geben musste, warum der Befund nicht gekommen war. Ich hatte ja dem Herrn Jesus diese Sache abgegeben und wollte es aus Seiner Hand annehmen. Gegen 20.30 Uhr betete ich erneut und konnte dann auch wirklich ruhig werden. Ich würde diese eine Nacht irgendwie rumbringen und morgen nach Hause gehen (mein Schlaf im Krankenhaus ist äußerst schlecht, was mir nach einigen Tagen verständlicherweise zu schaffen machte, und ich war an einem kritischen Punkt angelangt). Kurz darauf hatte ich die Idee, dass ich mich in den gemütlichen Aufenthaltsraum zurückziehen könnte, um ein wenig Ruhe zu haben. Und es war traumhaft. In den vier Stunden hörte ich nichts als die relativ monotonen Verkehrsgeräusche, die Geräusche beim Umblättern oder das Klappern meiner Tastatur. Ich schob mir eine kleine Couch und einen Sessel zusammen und schlief eine Stunde. Außerdem genoß ich die Ruhe, es tat mir total gut.

    Irgendwann ging ich dann wieder ins Zimmer und der Rest der Nacht verging auch irgendwie. Am Morgen lief alles nach Krankenhausroutine. Als wir gerade mit dem Frühstück fertig waren, bekam ich von der Schwester mein Ergebnis, negativ. Ich durfte nach Hause. Wir vereinbarten eine Zeit, zu der ich abgeholt werden könne, 12.30 Uhr. Ich schätze es war so um 11 Uhr, dass ein Pfleger reinkam und mir einen Brief überreichte, den eine liebe Freundin mir geschrieben hatte. Das war also der Grund, warum ich noch bleiben musste.

    S.