Prompte Antwort

    Vor einigen Wochen stand ein rumänischer Bettler vor meiner Tür. In gebrochenem Deutsch erzählte er etwas von vier Geschwistern, Vater tot, Geld. Und vermutlich weil er den Aufkleber auf meinem Auto gesehen hatte, fügte er noch ein "Jesus, Jesus, helfen" hinzu. Der Nachbar habe auch zehn Euro gegeben. Ich wimmelte ihn ab, woraufhin er mir nach dem Tonfall zu urteilen ein paar nicht sehr nette Worte nachrief. Die ganze Sache hat mich aber doch beschäftigt. Wie sollte ich mit so etwas umgehen? Man hört so viel von organisierten Bettlerbanden, die fingierte Familiengeschichten vorlegen und selbst am wenigsten davon haben, wenn man ihnen was gibt.

    Vor wenigen Tagen war erneut ein rumänischer Bettler an der Tür. Diesmal war ich am Telefon, winkte kurzerhand ab und schloss die Tür. Danach fühlte ich mich wirklich mies. Ich sagte zum Herrn Jesus, dass das jetzt keine Glanzleistung war, ich aber einfach nicht wüsste, wie ich damit umgehen sollte. Und ich erbat von ihm eine Antwort darauf. Die kam auch prompt. Ich fing an, mein Mittagessen zu kochen, das war keine fünf Minuten später, als mir ein Vers in den Sinn kam, der keine deutlichere Antwort hätte sein können: "Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan." (Mt. 25,45b); in Verbindung mit V. 42: "Denn mich hungerte, und ihr gabt mir nicht zu essen; mich dürstete, und ihr gabt mir nicht zu trinken."

    Jetzt habe ich ein paar evangelistische Bücher in osteuropäischen Sprachen bestellt. Mögen die Bettler nun kommen!

    S.